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Silber – Weltweites Angebot kann die Nachfrage nicht decken

Angesichts des robusten Wachstums vor allem im Bereich der sauberen Energietechnologien dürfte der Silberverbrauch in diesem Jahr ein Rekordniveau erreichen. Dabei zeigte sich den aktuellen Daten des Silver Institute zufolge die weltweite Minenproduktion schon im vergangenen Jahr rückläufig und gab auf 830,5 Mio. Unzen nach. Die Gesamtnachfrage stieg auf 1.195 Mio. Unzen und erreichte den zweithöchsten Stand aller Zeiten. Prognosen zufolge dürfte die globale Silbernachfrage heuer um weitere 2% ansteigen.

 

Damit steuert der Silbermarkt nun bereits das vierte Jahr in Folge auf ein Defizit zu. Angesichts des Bedarfs vor allem der Solar- und Automobilindustrie bleibt der langfristige Wachstumstrend sehr stark. Dem steht eine unelastische Angebotsseite gegenüber, die unter einem seit Jahren nur sehr verhalten wachsenden Minenangebot leidet. Einige der hochwertigsten Silberminen sind bereits nahezu vollständig abgebaut, mittlerweile stammen mehr als zwei Drittel der Produktion aus Basismetalllagerstätten, wie Blei-, Zink- und Kupferminen – also Minen, die keine primären Silberproduzenten sind. Experten gehen nicht davon aus, dass sich daran viel ändern wird, da es immer schwieriger wird, neue große Silberminen zu finden, zu genehmigen und zu bauen. Hinzu kommt, dass Minenbetreiber zunehmend Schwierigkeiten haben, profitabel zu produzieren. Unter Berücksichtigung aller Kosten benötigen viele Silberminen bereits 20 bis 25 USD pro Unze, um rentabel zu sein; im Vergleich zu 2018 ist dies ein Anstieg um mehr als 50%. Aktuell suchen industrielle Abnehmer händeringend nach Material und leeren die großen Lagerhäuser. Die von der London Bullion Market Association (LBMA) erfassten Lagerbestände fielen im April auf den zweitniedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen, während die Handelsvolumina an den Börsen in New York und Shanghai nahe ihrer saisonalen Tiefststände liegen.

 

Angesichts der erwarteten Nachfrage drohen die LBMA-Lagerbestände in den nächsten zwei Jahren vollständig abgebaut zu werden. Dabei überschätzen die veröffentlichten Zahlen hinsichtlich des vorhandenen physischen Metalls sogar noch die verfügbare Menge, da diese auch die Bestände börsengehandelter Fonds berücksichtigen.

 

Autor: Markus Grüne

Veröffentlicht im Smart Investor, Ausgabe Mai 2024

www.smartinvestor.de

Bild: shutterstock.com,  silverinstitute.org

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